Gefahrenübersicht
Gesundheitliche Gefahren: Es reizt die Haut und die Schleimhäute und hat eine betäubende Wirkung auf das zentrale Nervensystem.
Akute Vergiftung: Das Einatmen einer hohen Konzentration dieses Produkts innerhalb kurzer Zeit kann zu deutlichen Reizungen der Augen und der oberen Atemwege, Bindehaut- und Rachenverstopfung, Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Engegefühl in der Brust, Schwäche in den Gliedmaßen, Gangunsicherheit und Verwirrtheit führen. In schweren Fällen können Unruhe, Krämpfe und Koma auftreten.
Chronische Vergiftung: Langfristige Exposition kann bei weiblichen Beschäftigten zu einem Neurasthenie-Syndrom, Lebervergrößerung und Menstruationsstörungen führen. Außerdem kann sie trockene Haut, Risse und Dermatitis verursachen.
Umweltgefahren: Es stellt eine ernsthafte Gefahr für die Umwelt dar und kann die Luft, die Gewässer und die Wasserquellen verunreinigen.
Entzündbarkeit und Explosionsgefahr: Dieses Produkt ist entzündbar und reizend.
Toxizität: Es wird als gering toxisch eingestuft.
Akute Toxizität: LD50 5000 mg/kg (oral bei Ratten); LC50 12124 mg/kg (dermal bei Kaninchen); die Inhalation von 71,4 g/m³ ist beim Menschen innerhalb kurzer Zeit tödlich; die Inhalation von 3 g/m³ über 1–8 Stunden verursacht akute Vergiftungen; die Inhalation von 0,2–0,3 g/m³ über 8 Stunden führt zu Vergiftungssymptomen.
Reizung:
Exposition des menschlichen Auges: 300 ppm verursachen Reizungen.
Hautkontakt beim Kaninchen: 500 mg verursachen mäßige Reizungen.
Subakute und chronische Toxizität: Bei Ratten und Meerschweinchen, die über einen Zeitraum von 90–127 Tagen 8 Stunden täglich einer Inhalation von 390 mg/m³ ausgesetzt waren, traten Veränderungen im hämatopoetischen System und in parenchymatösen Organen auf.
Mutagenität: Mikronukleustest: orale Verabreichung von 200 mg/kg an Mäuse. Zytogenetische Analyse: Ratten wurden 16 Wochen lang (intermittierend) einer Inhalation von 5400 μg/m³ ausgesetzt.
Reproduktionstoxizität: Ratten, die 24 Stunden lang (1.–18. Trächtigkeitstag) der niedrigsten toxischen Konzentration (TCL0) von 1,5 g/m³ ausgesetzt waren, zeigten Embryotoxizität und Muskelentwicklungsstörungen. Mäuse, die 24 Stunden lang (6.–13. Trächtigkeitstag) der niedrigsten toxischen Konzentration (TCL0) von 500 mg/m³ ausgesetzt waren, zeigten Embryotoxizität.
Metabolismus und Abbau: Im Körper aufgenommenes Toluol wird zu 80 % in Gegenwart von NADP zu Benzylalkohol, anschließend in Gegenwart von NAD zu Benzaldehyd und schließlich zu Benzoesäure oxidiert. Diese reagiert dann in Gegenwart von Coenzym A und Adenosintriphosphat mit Glycin zu Hippursäure. Daher werden 16–20 % des vom menschlichen Körper aufgenommenen Toluols unverändert über die Atemwege ausgeatmet, während 80 % über die Nieren in Form von Hippursäure ausgeschieden werden. Nach Toluolexposition steigt die Hippursäurekonzentration im Urin innerhalb von 2 Stunden rasch an, sinkt dann langsamer und erreicht 16–24 Stunden nach Expositionsende wieder normale Werte. Ein geringer Anteil der Benzoesäure reagiert mit Glucuronsäure zu ungiftigen Substanzen. Weniger als 1 % des Toluols wird zu o-Kresol metabolisiert. In der Umwelt oxidiert Toluol zu Benzoesäure oder zersetzt sich unter stark oxidierenden Bedingungen oder in Gegenwart von Katalysatoren bei Kontakt mit Luft direkt in Kohlendioxid und Wasser.
Rückstände und Akkumulation: Etwa 80 % des Toluols werden bei Menschen und Kaninchen als Hippursäure über den Urin ausgeschieden, der größte Teil des Restes wird ausgeatmet. Die Autoren berichteten außerdem, dass 0,4–1,1 % des Toluols als o-Kresol ausgeschieden werden. Eine weitere Studie zeigte, dass der Hauptmetabolit, die Hippursäure, schnell über den Urin ausgeschieden wird. Unter typischen berufsbedingten Expositionsbedingungen wird Hippursäure innerhalb von 24 Stunden nach Expositionsende nahezu vollständig eliminiert. Aufgrund wiederholter 8-stündiger täglicher Exposition, gefolgt von 16-stündigen Expositionspausen, kann es jedoch während der Arbeitswoche zu einer gewissen Akkumulation von Hippursäure kommen. Die Konzentrationen sinken nach dem Wochenende wieder auf den Ausgangswert. Die Menge an Hippursäure im normalen Urin variiert erheblich (0,3–2,5 g) in Abhängigkeit von der Nahrungsaufnahme und individuellen Unterschieden. Daher lässt sich die Toluolabsorption nicht vollständig aus den Hippursäurewerten im Urin ableiten, jedoch ist diese Methode in Gruppenstudien zur Erfassung der Toluolabsorption einigermaßen aussagekräftig. Ratten, die mit Phenobarbital vorbehandelt wurden, zeigten nach Toluolinjektion eine erhöhte Eliminationsrate von Toluol aus dem Blut und eine verkürzte Schlafzeit, was darauf hindeutet, dass die Induktion mikrosomaler Leberenzyme den Toluolstoffwechsel stimulieren könnte.
Migration und Umwandlung: Toluol wird hauptsächlich aus Rohöl durch petrochemische Prozesse gewonnen. Es dient als Lösungsmittel für Öle, Harze, Natur- und Synthesekautschuk, Steinkohlenteer, Asphalt und Celluloseacetat. Auch in Cellulosefarben und -lacken sowie in der Fotolithografie und bei Tintenlösungsmitteln findet es Verwendung. Toluol ist zudem ein wichtiger Rohstoff in der organischen Synthese, insbesondere für Benzoylchlorid, Phenylverbindungen, Saccharin, Trinitrotoluol und zahlreiche Farbstoffe. Es ist außerdem Bestandteil von Flug- und Kraftfahrzeugbenzin. Toluol ist flüchtig und in der Umwelt relativ reaktionsträge. Durch Luftbewegungen ist es weit verbreitet und zirkuliert kontinuierlich zwischen Luft und Wasser durch Regen und Verdunstung von Wasseroberflächen. Es kann schließlich durch biologische und mikrobielle Oxidation abgebaut werden. Eine Zusammenfassung der durchschnittlichen Toluolkonzentrationen in der städtischen Luft weltweit zeigt typische Werte von 112,5–150 μg/m³, die hauptsächlich auf benzinbedingte Emissionen (Fahrzeugabgase, Benzinverarbeitung) sowie Lösungsmittelverluste und Emissionen aus industriellen Tätigkeiten zurückzuführen sind.
Erste-Hilfe-Maßnahmen
Hautkontakt: Kontaminierte Kleidung ausziehen und die Haut gründlich mit Wasser und Seife abspülen.
Augenkontakt: Augenlider anheben und mit fließendem Wasser oder Kochsalzlösung spülen. Ärztliche Hilfe hinzuziehen.
Einatmen: Begeben Sie sich schnell an die frische Luft. Halten Sie die Atemwege frei. Verabreichen Sie Sauerstoff, wenn die Atmung erschwert ist. Führen Sie eine künstliche Beatmung durch, wenn die Atmung aussetzt. Suchen Sie ärztliche Hilfe auf.
Verschlucken: Trinken Sie reichlich warmes Wasser, um Erbrechen auszulösen. Suchen Sie einen Arzt auf.
Brandbekämpfungsmaßnahmen
Gefahreneigenschaften: Entzündlich; Dämpfe können in Verbindung mit Luft explosive Gemische bilden. Kontakt mit offenen Flammen oder starker Hitze kann zu Verbrennung oder Explosion führen. Reagiert stark mit Oxidationsmitteln. Hohe Strömungsgeschwindigkeiten können statische Elektrizität erzeugen und ansammeln. Die Dämpfe sind schwerer als Luft und können sich über weite Strecken in tiefer gelegene Bereiche ausbreiten, wo sie sich entzünden und zurückschlagen können.
Gefährliche Verbrennungsprodukte: Kohlenmonoxid, Kohlendioxid.
Brandbekämpfungsmaßnahmen: Behälter mit Wassernebel kühlen. Behälter nach Möglichkeit aus dem Brandbereich ins Freie bringen. Falls sich Behälter im Brandbereich verfärbt haben oder Druckbegrenzungsventile Geräusche von sich geben, sofort evakuieren.
Feuerlöschmittel: Schaum, Trockenpulver, Kohlendioxid, Sand. Wasser ist zum Löschen unwirksam.
Notfallmaßnahmen bei Leckagen
Notfallmaßnahmen: Evakuieren Sie das Personal aus dem Leckagebereich in eine sichere Zone, sperren Sie den Bereich ab und kontrollieren Sie den Zugang streng. Entfernen Sie Zündquellen. Einsatzkräfte sollten umluftunabhängige Atemschutzgeräte mit Überdruck und Schutzkleidung tragen. Minimieren Sie die Leckagequelle. Betreten Sie keine Abwasserkanäle, Entwässerungsgräben oder andere geschlossene Räume.
Bei kleineren Leckagen: Mit Aktivkohle oder anderen inerten Materialien absorbieren. Alternativ mit einer Emulsion aus einem nicht brennbaren Dispergiermittel waschen, die Waschflüssigkeit verdünnen und in die Kanalisation einleiten.
Bei größeren Leckagen: Dämme oder Gruben errichten, um die ausgelaufene Flüssigkeit aufzufangen. Mit Schaum abdecken, um die Gefahren durch Dämpfe zu reduzieren. Explosionsgeschützte Pumpen verwenden, um die Flüssigkeit in Tankwagen oder spezielle Sammelbehälter zur Wiederverwertung oder Entsorgung in Abfallbehandlungsanlagen zu befördern.
Veröffentlichungsdatum: 24. Februar 2026